Panoptikum der Stellplatztechnik

  • Moin,

    eigentlich wollten wir auch dieses Mal etwas Schnee. Das würde ja auch zur Jahreszeit passen, aber so Wandel ich einmal wieder auf Poldys Spuren.

    Heute Morgen gesehen, die Ver/Entsorgung.


    Mit etwes Geschick ist das Loch zu treffen.

    Oder Eimer/Schlauch benutzen, wenn vorhanden.



    Man beachte die Aufkleber.

    Ich frage mich welcher Wasserhahn wohl zum spülen der Kassette benutzt wird.

    Ich habe keinen praktischen Test gemacht.

    Gruß Jürgen

  • Hallo Jürgen (Juhei),


    da hat wohl Jemand die Aufkleber verwechselt, trotzdem ein schönes Designobjekt. Würde gut zu meinem grünen Schuppenpanzer passen. ;-)


    War die Säule aus Kunststoff? Gabs irgendwo eine Herstellerbezeichnung?


    Grüße von Jutta+Jürgen (dem Poly-Jungdrachen)

    "Huuaaahhhahh..."

  • Moin Jürgen,

    die Säule war aus Metall,und wer der Hersteller ist,kein Ahnung.

    So genau hab ich sie nicht untersucht.

    Ich habe nur den Wasserhahn ohne Schlauch aufgedreht.

    Der optische Eindruck war,das Wasser aus meiner Regentonne zu Hause,ist sauberer.Das kann aber auch daran gelegen haben,es wurde schon längere Zeit nicht benutzt.


    Gruß Jürgen

  • So, habs gefunden und im Navi markiert. Ist ja gar nicht so weit von uns. Auf halbem Weg zur Nordsee. Falls es uns mal in die Gegend verschlägt, sehe ich mir das Ding genauer an. Könnte natürlich auch eine Einzelanfertigung sein.

    Danke Jürgen für das ungewöhnliche Fundstück.

    Grüße vom Poly

  • Wasser-Fjälle


    Wer von Flam weiter nordwärts will, kann bequem durch den Laerdalstunnel fahren. Weltlängster Autotunnel. Fast 25 km Röhre mit Gegenverkehr. Das zieht sich. Nur drei mal unterbrochen von blau-orange ausgeleuchteten Kavernen, in denen ein Zwischenstopp möglich aber nicht erholsam ist. Man fühlt sich wie die Maus, die zum Konzert in die Kesselpauke kroch. Auf unserer ersten Norwegenreise haben wir das ausprobiert. Diesmal folgen wir dem Tipp, lieber die alte Straße oben über die Berge zu nehmen. Soll interessanter sein.


    Aber erst mal hinkommen. Es ist Nachmittag. Stoßzeit. In Aurland sperrt ein großer Reisebus die enge Straße, um seine Fahrgäste aussteigen zu lassen. Nach kurzer Zeit staut es in beide Richtungen. Als die Kolonne wieder in Gang kommt, geben die einheimischen PKW ordentlich Gas, so dass wir den Kontakt zum Vordermann verlieren. Was auf einer normalen Straße ohne Bedeutung wäre, wird nun zum Problem.


    Der Aurlandsvegen steigt vom Fjord in Meerehöhe auf etwa 16 km Strecke in dreizehn engen Spitzkehren bis auf 1300 Meter an. Der Aufstieg hat also durchschnittlich 8 Prozent, ist weitgehend einspurig mit bergseitiger Felswand und talseitiger Leitplanke. Nur ab und zu gibt es kurze Ausweichbuchten. Wer hinunter will, wartet darin ab, bis die Bergauf-Kolonne durch ist.


    (Zum Vergleich: die "gefürchtete" Trollstiegen hat im steilsten 5-km-Stück zwischen den beiden Parkplätzen zehn ausgebaute Spitzkehren, jede Menge große Ausweichbuchten und nicht mal 370 m Höhenunterschied also rund 7 Prozent Steigung. Eigene Messung!)


    Wir sind inzwischen der Kopf einer eigenen Kolonne geworden und immer wieder kommen uns ungeduldige Fahrzeuge entgegen, die den Vordermann für das Ende der Bergauf-Schlange halten. Mehrmals muss zentimeterweise zurückrangiert werden, um aneinander vorbei zu kommen.


    Kurz vor dem Hochplateau gibts noch mal ein langes einspuriges Stück ohne erkennbare Ausweichmöglichkeit. Wird schon klappen. Denkste. Wir sind etwa halb durch, da braust uns von oben ein kleiner Streifenwagen mit Blaulicht entgegen. Also Rückwärtsgang und mehrere hundert Meter zurück. Blick in den Rückspiegel. Mist, geht nicht. Die letzte Bucht ist schon voll mit Autos belegt. Wie will die Polizei an uns vorbei kommen? Ah da vorne weitet sich der Weg minimal. Wenn wir uns gaanz sachte gaanz dicht an die Leitplanke schmiegen, könnte es gehen. Es geht. Mit eindrucksvoller Schräglage, die hangseitigen Räder hoch oben am Felsen quetscht sich die eilige Politi durch. Was für ein Stand! Filmreif! Trockene Bemerkung vom Beifahrersitz: "Ich glaube es hat eben geknirscht."



    Oben auf der baumlosen Ebene ist die Straße endlich etwas breiter und nur noch ganz wenig Verkehr. Rundlich abgeschliffene Berggipfel so weit man schauen kann. wir biegen auf den ersten Parkplatz ein und ich sehe mir die Bescherung an. Rechts vorne am Kotflügel fehlt ein Stück Decklack in der Größe eines Centstücks. Selber schuld. Ärgern? Was solls. Autos mit Kratzern werden weniger geklaut.


    Viel interessanter sind die tiefen Kratzer in dem Felsen auf dem wir stehen. Den Parkplatz hat der Gletscher planiert. Sieht aus, als wäre er gestern erst abgeschmolzen. Der Name Snøvegen (Schneestraße) passt. Da wir noch mal deutlich höher und nördlicher sind als gestern, liegt auch entsprechend mehr Schnee herum. Hier geht er eigenlich nie ganz weg. Offizielle Stellplätze gibts nicht, aber Übernachtungen werden geduldet. Wir finden einen kleinen Parkplatz an einem See mit Wasserfall und mehreren Firnfeldern drum herum.



    Auch hier gibts keinen Strom, also kommt die Solarmatte wieder vor die Beifahrertür. Das originell geneigte Sanitärhaus hält sogar eine ganze Solarwand nach Süden. Damit sich kein Auto davor stellt und Schatten drauf macht, ist die Seite mit großen Steinen gesperrt. Daneben steht noch eine mobile Toilette auf Rädern. Wozu das denn?



    Bei der Besichtigungsrunde sehe ich den Grund. Das kunstvolle neue Haus ist verschlossen. Stengt, wie der Norweger sagt. Wir haben noch freie Kapazitäten und brauchen weder das Kunstwerk noch das Ersatz-Dixie.



    Vom Ende des Platzes schlängelt sich ein privater Schotterweg hinauf in die Berge. Schranke verschlossen. Daneben eine verwitterte Holzbox mit einer rostigen Sparbüchse. Muss man hier also doch was bezahlen? Nur wenn man im See fischen will. 60 Kronen für den einen Angeltag. Aber ob das noch gilt? Alle Formulare sind verbraucht, die Erklärtexte verblichen und verwaschen. Sieht aus, als hätte sich schon lange keiner mehr drum gekümmert.



    Wir wollen hier nicht angeln, aber einen abendlichen Spaziergang zum Wasserfall gönnen wir uns doch. Ich balanciere vorsichtig über bemooste Steine bis mir die ersten Tropfen ins Gesicht klatschen. Das Wasser kommt von mehreren Schmelzwasserseen weiter oben und fällt in zwei eiskalten langen Strähnen herunter.



    Direkt neben dem Wasserfall liegt ein zusammengeknülltes Fischernetz. Sehr dünn und feinmaschig. Was soll man davon halten?



    Spätabends wird uns erneut das angewandte Jedermannsrecht vorgeführt. Ein junges Paar rollt im silbernen Kombi an. Stundenlanges lautes Palaver... rein ins Auto... raus aus dem Auto... wieder Palaver. Meistens spricht er. Wir verstehen kein Wort. Vermutlich geht es um Briefmarkensammlung, Computerspiele, Modelleisenbahn...


    Schließlich schleppt er einen Zeltsack etwa hundert Meter vor unserer Nase ins Fjäll und baut ein tarnfarbenes Iglu auf. Sie ziert sich. Trägt mal einige Sachen zum Zelt und dann die gleichen Sachen wieder zum Auto... Palaver... Trump, Brexit, Migration...


    Stundenlang stehen die beiden diskutierend neben ihrer Hütte. Er leidenschaftlich, voller Überzeugung - sie weiß nicht so recht. Dann kriecht er ins Zelt. Sie nach einiger Zeit auch. Gleich kommt sie wieder raus. Er ebenfalls. Palaver... Urknall, dunkle Materie, Reisen zum Mars...


    Bis tief in die Nacht geht das noch. Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück sitzen, erscheint zuerst sie, zufrieden lächelnd und in entspannter Körperhaltung, geraume Zeit später er. Das Zelt wird abgebaut. Abfahrt. Diesmal ganz ohne Palaver. Glückwunsch.


    In der Nacht bimmelten mehrmals leise Glöckchen an unserem Kasten vorüber. Wie auf dem gestrigen Platz stromern auch hier Tag und Nacht kleine Schafgruppen frei in den umgebenden Bergen herum. Von wegen, Schafe können nicht gut klettern. Diese bouldern mit Begeisterung in der Steilwand am Wasserfall. Falls sich die Wölfe eines Tages bis hierher ausbreiten, sollten sie Magnesia mitbringen.


    Unsere Reise ist straff geplant. Wir müssen leider wieder runter vom Berg. Am Beginn der Abfahrt kommt ein betonierter Wanderweg in Sicht. Gleich daneben ein Parkplatz. Barrierefreier Weg für Rollis? Was gibts hier zu sehen? Der Weg schwingt um den Berghang herum und mündet in einer Höhle. Klar Menschenwerk - keine Bärenhöhle.



    Oder vielleicht doch? Links im Halbdunkel der Höhle schläft auf einem riesigen Haufen Zivilisationsmüll ein großer schwarzer Bär - aus Plüsch und hinter Mehrschichtglas. Kunst im öffentlichen Raum. Was der Künstler ausdrücken will, ist leicht zu entschlüsseln. Die bunte Sammlung reicht vom Steinbeil bis zum Autoradio. Das Fischernetz von gestern Abend hätte hier gut hingepasst.



    Weiter unten stehen auch wieder Bäume am Straßenrand. In einer steilen Spitzkehre trete ich in die Eisen und quetsche den Kasten in eine winzige Ausweichbucht mit starkem Gefälle. So früh am Morgen wird schon keiner hier hoch wollen. Was hab ich da eben gesehen?


    Wir klettern den Hang hinunter über eine wackelige Holzbrücke in ein Schafgatter. Die Schäfchen freuen sich über den Besuch und versuchen sofort Freundschaft zu schließen. Dann stehen wir vor einem prächtigen Wasserfall der über viele Stufen vom Berg herunter und mit Macht um die Insel der Schafe herumrauscht. Kein Superlativ, einfach nur schön.



    Hach, ich möchte eines Tages mal ganz viel Zeit haben und all diese kleinen Dinge am Wegesrand in Ruhe genießen... Kunstwerke, freundliche Wesen, Naturwunder... Palaver...

    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Uralte Balken


    Unser Heimweg in Richtung Süden geht über die Reichsstraße Nr.3 an der Glomma entlang. In dieser Gegend wurde das Skifahren erfunden. Am Hang stehen Sprungschanzen und der Ort hat zwei Skier im Wappen. In meiner Karte ist ein Bauernhof als Freilichtmuseum markiert. Zunächst sichten wir aber gebastelte Witze. Ein Futtersilo als Weltraumrakete dekoriert. Wie hübsch. Das Museum kann es nicht sein. Laut Navi sind noch zwei Kilometer zu fahren (es werden fünf). Auf dem nächsten Kreisverkehr zeigt ein riesiges Thermometer auf minus 39 Grad - im Juli.



    Wir folgen dem Navi, brauchen aber zwei Anläufe, um die Zielflagge zu erreichen. Der erste Weg (asphaltiert, breit) führt nur in der Nähe vorbei. Die Zugänge Richtung Museum sind versperrt. Also zurück. Der zweite Weg (geschottert, schmal) führt durch mehrere bewohnte Bauernhöfe (mit erstaunten Gesichtern) und übergangslos mitten ins Museumsgelände. Keine Tore, keine Sperrschilder. Erst nachdem wir den Haupteingang in falscher Richtung passiert und endlich den Parkplatz gefunden haben, erkennen wir, dass es unten am Fluss noch eine dritte (die richtige)Zufahrt gegeben hätte.


    Im Moment sind wir die einzigen Besucher. Weder eine Kasse, noch Personal zu sehen. Von außen anschauen kann mans ja trotzdem. So also haben die alten Norweger gewohnt. Das Gehöft ist über dreihundert Jahre alt und steht am originalen Standort. Achtzehn schwarzbraun verwitterte Blockhäuser in die Landschaft gestreuselt mit dicken Grasdächern oben drauf. Erstaunlich, wie fugenlos die Balken übereinander geblockt wurden. Erinnert an eine Wild-West-Siedlung. Jedes Haus zu einem anderen Zweck. Es gibt ein Brunnenhaus, ein Badehaus, ein Küchenhaus, Schmiede, Schreinerei, Pferdestall, Kuhstall, Schafstall und zu jeder Tierart spezielle Futterscheunen auf trocken gestapelten Ecksteinen.



    Auch die Vorräte für die Menschen wurden getrennt in verschiedenen Lagerhäusern aufbewahrt. Die Gebäude stehen wie Womos am SP einzeln ohne bauliche Verbindung beieinander. Vielleicht damit bei Feuer nicht alles herunterbrennt? Wie mag das im Winter gewesen sein, wenn man für jede Besorgung in ein anderes Haus musste? Tunnel unterm Schnee wie bei den Feldmäusen?



    Gewohnt wurde je nach Jahreszeit abwechselnd im Sommerhaus oder im Winterhaus. Aber welches ist welches? Die beiden Gebäude sind etwa gleichgroß und ähneln sich wie Zwillinge. Das Museum weiß es auch nicht genau. Wir finden zwei Geländepläne - zwei Versionen. Hätte das Winterhaus dickere Wände, kleinere Fenster und einen größeren Ofen, wäre die Sache logisch. Das Sommerhaus hatte früher eine halbhoch geteilte Tür, damit beim Lüften die Ziegen draußen blieben. Nichts davon zu sehen. Und wozu überhaupt der ganze Aufwand? Angeblich damit nach jedem Umzug das Leerstehende gründlich geputzt werden konnte. Klingt nach Luxusproblem. Statussymbole?



    Leider sind die Häuser verschlossen. Nur durch die Fensterscheiben kann man etwas von der Inneneinrichtung erkennen. Bank, Truhe, Bauernschrank. Spinnrad und Webstuhl haben leider kaum einen Faden am Leib. Weiter hinten Staubsauger, Kaffeemaschine, Elektrokocher ... Hää ? Vielleicht doch noch bewohnt?



    Hinter der Heu-Scheune versteckt sich das kleinste Häuschen. Ein "Utedo" oder kurz: "Do" (wörtlich übersetzt: "tun") ... na was wohl. Zwei Balkenenden markieren links unten die fest eingezimmerte Sitzgelegenheit. Die Tür ist so niedrig, dass sich jeder Eintretende vor der stillen Würde des Ortes verneigen muss.



    Als einziges Haus ist es unverschlossen. Innen sehen die Balken fast wie neu aus und es riecht nach Wald. Den modernen Utensilien nach: "ready for use". Als Besucherklo? Wir haben den Deckel nicht angerührt. Damit bleibt leider ungeklärt, ob sich darunter ein echtes nordisches Plumpsklo aus dem Spätmittelalter oder was Modernes verbirgt. Vielleicht so eine Trocken-Trenn-Astronauten-Zielbrille oder sogar eine richtige Komposttoilette ...?



    Erst daheim entdecke ich im Internet, dass es doch besser gewesen wäre, zunächst bei der komischen Rakete anzuhalten. Kein Futtersilo, sondern ebenfalls ein Museum - für einen berühmten Humoristen. Da hätte man angeblich auch die Schlüssel zu den alten Blockhäusern und ggf. einen Audioguide bekommen können. Man sollte seine Reisen besser vorbereiten...

    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Kleingeld


    Wir haben die Abendfähre noch erwischt und erleben eine Überfahrt mit romantischem Sonnenuntergang. Genau als das letzte rotgoldene Schnipselchen am Horizont verschwindet, ruft die übliche Lautsprecherdurchsage alle Autofahrer wieder nach unten in ihre Wagen. Großartiges Timing!



    Keine Lust heute noch in die Nacht hinein weiterzufahren. Also wird der nächste Stellplatz angelaufen. Der ist genau auf solche Kunden eingerichtet. Willkommen in der Heimat. Niemand mehr in der Rezeption. Bezahlautomat? Kartenzahlung? Fehlanzeige! Man soll die Gebühr in Bar und abgezählt in einen beschrifteten Umschlag stecken und in den Briefschlitz werfen. Aber gerne. Unser Problem: wir habens nicht passend. Nur noch einen großen Schein. Halt, im Handschuhfach liegt doch das Schlüsseltäschchen mit all den kleinen Münzen, die sich über die Zeit angesammelt haben. Ich baue messing-kupferne Türmchen auf dem Dinettentisch und tatsächlich - es reicht gerade so. Mit schwerem Plumps landet der dicke Umschlag im Briefkasten. Ehrlich schläft sichs besser. Außerdem hat die Gewichtseinsparung auch ihre Vorteile.


    Am nächsten Morgen werden wir von merkwürdigen Düften geweckt. Ich mache einen Spaziergang und entdecke schnell die Ursache. Der Stellplatz ist ein Bauernhof und direkt nebenan in Riechweite und Windrichtung logiert ein halbes Dutzend quieklebendige Sparschweinchen.



    Es fehlen ihnen nur die üblichen Schlitze auf dem Rücken. Die finden sich gleich nebenan. Das Servicehaus könnte früher eine Scheune gewesen sein. Jetzt beherbergt es die Spülküche.



    Große Schilder über den Spülbecken erklären wie es funktioniert. Ich gehe davon aus, dass heißes Wasser gemeint ist. Leider hab ich kein Zehnerle mehr, um das zu testen. Die sind gestern Abend alle mit durch den Briefschlitz gerutscht.



    Die dazu gehörenden Münzautomaten sind wie kleine Panzerschränke in die rückwärtige Mauer eingelassen. Man sollte auf die Nummerierung achten, sonst bezahlt man das Spülwasser für den Nebenmann.



    Draußen gibts noch mehr Wasserhähne mit Wandsafe-Sparbüchsen. Alles sehr ordentlich beschriftet, aber ob es immer der Wahrheit entspricht?



    Der rechte Hahn hat ein Zollgewinde für Gardenanippel, an dem man seinen eigenen Schlauch anschließen könnte. Aber wieso kostet das kalte Wasser hier draußen genauso viel, wie das heiße Spülwasser drinnen? Ob die versprochene Menge überhaupt stimmt? Zusätze wie "circa", "etwa" oder "ungefähr" meinen selten einen Kundenvorteil.



    Aus dem linken Anschluss läufts auch ohne Münzen. Grauwasser? Ich könnte wetten, dass der kostenfreie Wasserhahn (ein zeitbegrenzter Druckspüler) hinter der Wand an die gleiche Trinkwasserleitung angeschlossen ist, wie der rechte kostenpflichtige. Der Bauer hat diesen Gedankengang vorhergesehen und versucht es mit Freundlichkeit. Erstmals wird das Wort "Bitte" verwendet. Sicherheitshalber hat er außerdem den roten Schlauch mit einer Schelle festgemacht. Falls doch jemand dran herumbastelt, kommt bestimmt gleich der Großknecht mit der Mistgabel um die Ecke und bekräftigt die Bitte.



    OK, es gibt auch ein paar Schlitze die nicht nach Münzen gieren. Einer wurde mit der Flex so weit vergrößert, dass hier auch ein Kassettenrüssel reinpasst. An solchen einfachen Einloch-Entsorgungen ist es schwierig zu kassieren.



    Aber man kann es ja mal versuchen. Der letzte Wandschrank ist deshalb eine Spendensammelbox. Im Text steht sogar ein vorauseilendes "Danke". Der desolate Zustand lässt Interpretationsspielraum. Ist sie so verrostet, weil sie kaum benutzt wird, oder weil so viele freiwillige Münzen den Lack beschädigt haben? Als Optimist glaube ich an das Gute im Campingfreund.



    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)