Panoptikum der Stellplatztechnik

  • Panoptikum der Stellplatztechnik


    Kein Reisefahrzeug ist wirklich autark. Wir sind abhängig von vielen äußeren Dingen. Befahrbare Wege, gemütliche Übernachtungsplätze, Diesel für den Motor, Propan für die Heizung, Strom für Kühli und Kaffeemaschine, Funkmaste für die Sozialkontakte, Wasser gegen Durst und Verwahrlosung, schönes Wetter und Attraktionen für die gute Laune...


    Ganz besonders abhängig sind wir von der Toleranz der Eingeborenen. Sie bauen die Infrastruktur auf, planieren und befestigen den Platz, errichten Stromsäulen, Wasserhähne, Abflüsse, Absperrungen, Infotafeln und natürlich Bezahlautomaten. Sie erdulden klaglos den provozierenden Anblick unserer Luxus-Freizeitfahrzeuge, sehen oft großzügig über unsere Fehler hinweg und begnügen sich meistens mit kleinen Beträgen.


    In Europa gibt es inzwischen (laut einer bekannten Webseite) über 18000 Wohnmobilstellplätze, über 8000 Campingplätze und dazu noch mal über 1100 spezielle Entsorgungsplätze. Wer ab und zu woanders hin fährt, muss sich auf Überraschungen einstellen. Die Technik zum Andocken ist teils professionell vorgefertigt, teils phantasievoll selbstgebaut. Neben fast perfekten Ideallösungen findet man auch merkwürdige Details und üblen Murks.


    Der Campingfreund ist anpassungsfähig. Er nutzt geschickt, was er vorfindet, und macht seine Erfahrungen. Nach und nach ergänzt und modifiziert er seine Ausrüstung, bis er nirgends mehr unverrichtet wegfahren muss...


    ... und wenn er wieder mal ein ungewöhnliches Stück Stellplatztechnik erspäht hat, macht er ein paar Fotos und zeigt sie zur allgemeinen Erbauung hier im Kuriositätenkabinett.


    Grüße vom Poly

  • Giganten aus Edelstahl


    Auf halbem Weg zwischen Trondheim und Oslo an der Reichsstraße Nr. 3 steht seit 2015 der "Storelgen". Ein riesiger Elch aus spiegelblank polierten Edelstahlmuskeln "Made in China". Über zehn Meter hoch ist der Koloss und wirklich eindrucksvoll. Hintergedanke war die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Wie die bunten Elchgeweihe aus Plaste, die entlang der Straße reihenweise in den Bäumen hängen, soll er auf die Gefahr von Zusammenstößen mit echten lebendigen Elchen aufmerksam machen. Außerdem soll er die Autofahrer zu einer Rast "überreden" und damit etwas gegen Müdigkeit und Sekundenschlaf tun.


    Wir hatten den Eindruck, dass er das lokale Unfallrisiko eher verschärft. Brummifahrer, die das Monstrum erstmals sehen, treten mitten im fließenden Verkehr bei absolutem Halteverbot voll in die Eisen und kramen nach ihrer Knipse, während sich die anderen Autos vorsichtig um sie herumschlängeln müssen. Ob das immer gut geht?


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    Etwas weiter südlich entdecken wir diese kubistische Skulptur der Marke "Autosan 2000".


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    Ebenfalls Edelstahl, groß, auffällig und kaum zu übersehen. Da hat sich ein Designer richtig Mühe gegeben, um Funktionalität und goldenen Schnitt unter einen kompakten Hut zu bringen.


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    Rechts der Trichter für den Toiletteninhalt.

    Vorne ein Wasserhahn mit Zollgewinde.

    Darüber ein einsamer Druckknopf, der die Spülung des Bodeneinlaufs aktiviert.


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    Links ein integriertes Waschbecken mit Sensorbetätigung um sich nachher die Pfötchen zu dekontaminieren.


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    Aber genau wie der Elch erfüllt auch dieses edle Stahlgehäuse die zugedachte Aufgabe nicht ganz so wie geplant.


    Ein einheimischer VI-Fahrer, der eben vor uns seine graue Kassette geleert hat, balanciert diese anschließend mühselig unter den Frischwasserhahn um sie auszuspülen. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er eine direkte Berührung vermeidet. (Wir haben den Hahn dann trotzdem erst mal gründlich gespült und eigenes Equipment verwendet. )


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    Dabei hätte er es viel einfacher haben können. Die Kassettenspülung befindet sich direkt über dem Trichter, in den er seine Ladung reingeschossen hat und auf das Fußpedal mit dem man sie betätigt, wird in drei Sprachen hingewiesen. Tritt man drauf, rauscht ein echter norwegischer Spyling-Fossen wie ein Wolkenbruch herunter.


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    Wahrscheinlich hat er diese Details einfach nicht gesehen. Zu viel spiegelndes Metall birgt immer die Gefahr einer Reizüberflutung. Deshalb darf man auch ein Auto nie komplett verchromen. Das Messingrohr der Spülung schaut nur ein kleines Stück heraus und der unauffällige Hinweis auf das Fußpedal ist in Kniehöhe. Sobald der wilde Jägersmann mit scharf geladener Klokassette direkt davor steht, sieht er es nicht. Dann denkt er sowieso nur an zielen und treffen. Nach dem Schuss fällt sein Blick aber unweigerlich auf das in Augenhöhe eingravierte Symbol "Wasserhahn" und ich wette, dass neun von zehn Schützen genau dem Pfeil in die Irre folgen.

    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Da kann ich doch gleich von unsere aktuellen Reise etwas beisteuern.

    CP in Kroatien, als vierter in der Schlange stehend beobachtet, dass mehrere Mobilisten erst den Schlauch zum Spülen in den Stutzen der Kassette und dann in den Einfüllstutzen des Wassertanks halten.

    Immer wieder fällt uns auf, dass gerade Italiener da seeehr schmerzfrei sind.

  • dass gerade Italiener da seeehr schmerzfrei sind


    stimmt, das habe ich in Hamburg auch schon erlebt. Vor mir ein Italiener, der Trinkwasserflaschen am Schlauch füllen wollte, mit dem er gerade die Kassette gespült hatte. Ich konnte nicht anders, als ihm den "sauberen" Schlauch 3m weiter zu zeigen...., allein der Gedanke <X

    Er hat sich auch ganz lieb bedankt, aber wenn ich so lese, dass das schon viele von Euch auch so erlebt haben, scheinen die Italiener einfach robustere Mägen zu haben ;)

  • Nordische Momente


    unter grauem Himmel am grauen Meer. In Vorpommern lag am Vortag noch Schnee. Hier in Ostfriesland stehen wir etwas näher am Golfstrom aber zum Baden reichts noch nicht. Am Horizont als schmaler grauer Streifen die vorgelagerten Inseln. Über der Marsch verteilt sich direkt vor dem Stellplatz ein Gänseschwarm. Erstaunlich, wie nahe die Tiere bei den Wohnmobilen lagern. Plötzlich fliegen alle gleichzeitig auf und in Panik davon. Ein süßer kleiner Wuffi tobt über den Platz und kläfft nun traurig hinterher. Da war wohl die unsichtbare Leine ein bissl zu lang. OK, die Vögel werden sich schon wieder beruhigen. Aber hier sind sie nun leider erst mal weg. Schade, ich hätte gern noch mehr Bilder gemacht.


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    Die Platzgebühr ist happig und kann -oh Wunder- am Automaten direkt mit Karte bezahlt werden. Ist ja fast wie in Schweden. Im Ausland hab ich mir angewöhnt, solche Blechkameraden erst mal gründlich zu studieren, bevor ich was Wertvolles reinstecke. Man wird sonst leicht zum "freiwilligen Spender". Eine Übersetzungsapp ist hilfreich. Dieser Kassierer kann aber schon deutsch. Geschwätzig verrät er, dass man für Strand und Freibad gleich mitbezahlt. Leider gibt er keinen Rabatt für Nichtbade-Wetter.


    Die Beschriftung folgt ihrer eigenen Logik. Dass man zuerst den gelben Knopf drücken muss, steht sogar zweimal da, aber immer erst am Schluss der Erklärung. So viel Geduld hat doch heut Keiner mehr und liest erst den ganzen Roman durch. Die Leute schauen auf den Anfang des Schemas, stecken sofort was rein, drücken weiter ... und wundern sich, wieso nur ein PKW-Ticket rauskommt. Dann lesen sie das Postskriptum: "April-April! Du hast die gelbe Taste vergessen!"


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    Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten.


    Der brave Familienvater zieht zähneknirschend ein zweites Ticket, diesmal mit der gelben Taste und im richtigen Tarif. So eine Zusatzeinnahme ist den fallenstellenden Platzbetreibern natürlich am liebsten.


    Der Kämpfertyp legt das falsche Ticket ins Auto und bereitet sich für den Fall einer Kontrolle auf einen verbalen oder juristischen Schlagabtausch vor. Wozu hat man schließlich eine Rechtschutzversicherung.


    Der Choleriker brüllt eine Weile herum, haut ein paar mal auf den Automaten, zerknüllt das falsche Ticket, stellt fest dass er sowieso nicht mehr genug Münzen dabei hat, setzt sich wieder in sein Wohnmobil und fährt resignierend weiter. Dabei bleibt er noch mit der ausfahrbaren Trittstufe am Bordstein hängen.


    Wir haben das richtige Ticket gezogen und dürfen am nächsten Morgen auch ganz legal auf die V/E.


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    Der Entsorgungsplatz sollte, geht man nach der Beschilderung, eigentlich keine Wünsche offen lassen. Die rote Münz-Frischwassersäule steht links erfeulich weit weg, ist aber außer Betrieb! Dafür hängt rechterhand ein langer verwitterter Schlauch mit kostenlosem Wasser zur "universellen Nutzung" bereit. Hach wie großzügig und so verlockend. Und wieder einmal ist der Campingfreund hin und her gerissen, ob er dem Anschluss vertrauen darf, oder besser Pfoten und Gardenakupplung davon lässt. Schwierige Frage. Wir haben noch halbvoll und verschieben das Nachfüllen auf den nächsten Stellplatz.


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    "Wohin kommt was?" ist leicht zu beantworten. Alle Flüssigkeiten ins gleiche Loch, denn es gibt nur das eine. Würdig eingerahmt von einem typisch norwegischen Blechtrichter. Doch auch hier lauert eine kleine Hinterlist. Damit niemand hineinfällt (?) wurde die Öffnung mit einem Gitterstab halbiert. Der geizige Vorbenutzer hat billiges Toilettenpapier verwendet, das sich wie ein Ertrinkender in letzter Rettung verzweifelt an diesem Mittelsteg festklammert und die Öffnung zusätzlich verengt. (Also "selbstauflösend" ist das nicht.) Hoffentlich geht unser Zeug da glatt durch! Ich flehe im Stillen, dass die Kassettenfüllung schon so flüssig ist, wie der Hersteller der weißen Kristalle immer verspricht. Sie ist es. Schnauff! Noch mal Glück gehabt.


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    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Tarnen Tricksen Täuschen


    Auf diesen Marina-Stellplatz huschen wir im Stockfinsteren durch ein gerade noch halb geöffnetes Tor. Die Dame an der Rezeption schaut ein WM-Spiel und hat sich deshalb verspätet. Hinter uns schließt sie dann eilig ab. Morgens finden wir uns auf einer ausgedörrten Wiese direkt am Mittellandkanal mit Blick auf einen kleinen Hafen. Die Boote ducken sich hinter der Böschung. Yachties sind keine zu sehen. Immerhin gibts Strom und prima Handyempfang.


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    Geweckt wurden wir vorhin von nahen Gewehrschüssen. Ich mache einen Spaziergang, um der Sache nachzugehen und entdecke den wahren Grund der Ballerei. Am Kanalufer gegenüber klappen Arbeiter gerade die Seitenwände der Güterwaggons herunter und am Anschlag knallt es wahrhaftig wie Einzelfeuer aus der Kalaschnikow.


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    Laut Verzeichnis soll dieser Stellplatz eine V/E haben. Ich sehe zwar Stromanschlüsse und Wasserhähne aber nichts, was auch nur entfernt an eine Entsorgung erinnert. Erst am Ende meiner Besichtigungsrunde werde ich fündig. Klotzig kastig wie der Bernd vom Kinderfernsehen - Ein nigelnagelneuer Komposter aus dem Baumarkt.


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    Na sowas.

    Da habe ich nun so lange vergeblich herumgefragt, wie und wo man den handfesten Inhalt einer Trockentrenntoilette fach- und sachgerecht entsorgt. Keiner konnte mir eine vernünftige Antwort geben. Die bereits Eine haben, reden alle irgendwie um den heißen Brei herum. Mir kamen schon die wildesten Befürchtungen in den Sinn, wo sie das Zeug tatsächlich hinschütten. Und nun ... plötzlich und ohne Vorwarnung steht die Antwort zum Greifen nah vor mir. Und so schmuck! Dahinter gibts auch eine Bedienungsanleitung:


    "Entleerung Chemietoiletten (nur hier!)"


    Wie bitte? Sogar eine Kombination? Ich armer rückständiger Thetfordsitzer darf hier ebenfalls was reinschütten? Wie sie das wohl gelöst haben? Kompost-Erfassung plus Chemieklo-Entsorgung? In einer einzigen Anlage? Ich platze fast vor Neugier!


    "Bitte das Gehäuse abnehmen"


    Was für ein Gehäuse? Damit kann doch nur der Deckel gemeint sein. Ein Ziegelstein mit Drahthenkel hält ihn geschlossen. Also erst mal runter damit. Der Deckel sitzt fest. Keine Chance. Eine dicke Schlossschraube am Griff hält ihn zu. Hier rutscht jeder Schraubenschlüssel ab. Vermutlich ist innen eine Mutter dagegen geschraubt. Da kann man lange dran zerren. Aber viel scheint noch nicht drin zu sein. Fühlt sich so leicht an. Plötzlich kippt die Box zur Seite und ich kriege einen Schreck. Hab ichs jetzt kaputt gemacht?


    Aber nein. Unter der grünen Hülle kommt nun leider die Wahrheit ans Licht. Sie war nur Tarnung, Täuschung, Mimikry ... eine Maskerade. Kompost wird man hier jedenfalls nicht los. Es erscheint ein Stück alte Sanitärkeramik. Wurfgeschoss für den nächsten Polterabend? Nein, es ist richtig angeschlossen und auch die doppelte Wasserspülung funktioniert ... irgendwie. Seine besten Jahre hat das Teil zwar hinter sich, aber für normale Kassetten völlig ausreichend.


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    "den Toilettendeckel hochklappen..."


    Vorsicht Falle! Wer es versucht, dem fällt er wie zum Hohn aus der Hand, denn vom Scharnier existieren nur noch Bruchstücke. So ist das Leben. Zu früh gefreut. Meine große Frage bleibt hier und heute unbeantwortet.


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    Ich baue das Pussel vorsichtig wieder zusammen. Brocken oben drauf damit nix wegfliegt und ein freundliches Grinsen an den hölzernen Troll nebenan. Morgen gehts auf die Fähre und über die Ostsee in deine Heimat alter Knabe - ätsch!


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    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Brückengeheimnisse


    Diese in Südnorwegen hat über 200 Jahre auf dem Buckel und muss keine Autos mehr tragen. (Nebenan gibts ne Neue.) Ich finde sie so malerisch, dass ich sie ausgiebig knipse. Allerdings nur vom diesseitigen Ufer aus, ohne sie zu überqueren. So entgeht mir die eigentliche Attraktion, die sich außer Sicht am anderen Ende befindet. Von der höre ich erst lange nach der Reise daheim.


    Dort wäre ein großer ringförmiger Stein ins Geländer eingelassen mit einem ovalen Loch, welches innen von unzähligen durchkriechenden Mädchen (die damit ihre Jungfernschaft beweisen sollten) ganz abgewetzt ist. Heutzutage werden Kreuzfahrttouristen busladungsweise herangekarrt, um zu staunen, wie schlank die Menschen früher waren. Auf Fotos im Netz sieht es so aus, als hätte der Steinring einige Risse und Sprünge. Da hats wohl mal eine reife Dame wider besseren Wissens mit Gewalt versucht? Wir kommen dort bestimmt noch mal vorbei, und falls dann eine junge Frau an Bord sein sollte, werden wir sehen ...


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    Eigentlich halten wir hier wegen der V/E, die in unserer Karte eingezeichnet ist, sehen aber zunächst nur das Müll-Iglu. Wer den Deckel lupft, schaut in einen Abgrund. Solche Behälter sind gewöhnlich ein gutes Stück in die Erde versenkt. Sollte es ein Bär da hinein schaffen, sitzt er in der Fallgrube.


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    Die Anlagen für den Wassertausch machen sich hinter der Hütte fast unsichtbar. Zum Glück führt uns ein anderes Wohnmobil vor, wie es geht, sonst wären wir vielleicht weiter gefahren.


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    Irgendwelche Beschriftung oder Piktogramme gibts nicht. Ein einsamer Wasserhahn mit einem schrumpeligen Gartenschlauch hängt über Kopfhöhe in einer Nische der Hüttenwand. Man muss sich ganz schön strecken um ranzukommen. Das richtet sich offenbar gegen kleine Leute mit unklaren Absichten. OK, wir sind schon groß genug und kommen gut ans Gewinde um unser Gardenageraffel anzuschrauben.


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    Die beiden Deckel in der Betonfläche verraten nichts über ihre Zweckbestimmung. Dass die viereckige Riffelplatte komplett runter muss, wissen nur Insider. Ringsherum flach abgeschrägte Ränder bis auf den Beton. Kein einziger Angriffspunkt für unbewaffnete Fingerspitzen. Sie hatte vermutlich mal Griffe, aber davon sind nur noch winzige Rudimente übrig. Man sollte ein geeignetes Werkzeug (Schraubenzieher, Flachzange...) parat haben. Ich krame schon im Werkzeugköfferchen, aber der Vordermann ist nett und lässt den Schacht für uns offen stehen.


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    Der übliche Trichter darunter bedarf dann keiner weiteren Erklärung. Lass laufen oder Panta rhei, wie der alte Grieche sagen würde. Erleichtert schiebe ich den Deckel nachher per Fuß zurück aufs Geviert und merke nun erst, wie elend schwer das Ding ist. Dafür sorgt ein massiver Rahmen, der von unten drunter geschweißt wurde, um es überfahrbar zu machen. Man muss sich richtig plagen und es ertönt ein lautes hässliches Kreischen, so dass sich die Kreuzfahrttouris ruckartig umdrehen.


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    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Hallo Olaf,

    wir haben das auch nicht als exotisches Unikum angesehen, eher als Empfehlung. Ein Wasserhahn, ein Bodentrichter, unauffällig platziert und halbwegs kindersicher. Camper, die vernünftig damit umgehen und ein tolerantes Umfeld, mehr brauchts eigentlich nicht. Komplizierte "Hochtechnologie" ist eher mal tückisch.

    (Hatten da erst kürzlich so ein Erlebnis...

    *grins*... ähem ... demnächst ... Geduld )


    Grüße

    vom Poly

  • Jetzt aber, die Geschichte vom


    Rohrkrepierer


    Einen solchen Geschützturm von V/E sahen wir schon vor einiger Zeit im Rheinland. Hat damals bereits gewisse Schwächen offenbart. Protzig, aber nicht bis zu Ende durchdacht. Dieses Exemplar steht in einer Thüringer Universitätsstadt. Schnell noch ein Foto durchs Seitenfenster vor der Verrichtung.



    An der Rückseite entdecke ich zwei nachträglich angebrachte Riegel in besonders schwerer Ausführung. Bissl schief aber stabil. Aus Flacheisen vom Lehrling einsdreifix zusammengeschweißt? Zwischen ihnen noch gut zu erkennen die Überreste eines vorangegangenen kleineren Zusatzverschlusses. Der war scheinbar nicht stabil genug.



    Nun also festungsartige Schutzbunker. Im Schatten gepanzerter Schächtelchen kuscheln sich angstvoll wie Kaninchen in ihrem Loch zwei Vorhängeschlösser und warten auf das Raubtiermaul des Bolzenschneiders. Wo wird er wohl hinbeißen?



    Statt eines überfahrbaren Bodentrichters gibts einen gusseisernen Rost im Eck an der tiefsten Stelle, der eher wie ein Regenwassereinlauf aussieht. Ob da das Grauwasser hinplätschern soll? Erst mal die Kassette. Man weiß ja nie, ob die Säule auch Spülwasser rausrückt. Später wird sich zeigen, dass diese Vorsicht unbegründet ist. Das Problem liegt ganz woanders. Die vielen kleinen Papierfetzchen vor der Mündung des Kanonenrohrs hätten mich eigentlich warnen sollen.



    Das Rohrende reckt sich verlockend empor. Wie nett für uns alte Knacker. Hier darf man rückenschonend hineinkippen. Mit routiniertem Schwung flutscht der Rüssel ins Loch und minimal zeitverzögert drückt der rechte Daumen den Belüftungsknopf. Immer wieder schön, wenns gut läuft. Keine zwei Sekunden später gerät die Situation außer Kontrolle. Diese Kanone geht voll nach hinten los. Statt mit dem gewohnten gurgelnden Geräusch im Untergrund zu verschwinden, kommt mir die Schokoladensoße aus der Rohrmündung entgegen geschwappt. Irgendwas versperrt die Röhre. Obwohl ich den Vorgang sofort abbreche, kann ich nicht verhindern, dass sich eine rehfarbene Pfütze auf dem Gehweg bildet. Ohne lange Überlegung drücke ich die Taste der Beckenspülung und bereue es sofort. Mit einem leichten Sprühregen aus der Mündung hatte ich ja gerechnet. Statt dessen schießt ein dicker Schwall Wurstsuppe voller kleiner weißer Papiersprenkel aus der Konfettikanone und verbreitert die Pfütze zum Ozean, in dem nun allerlei Unappetitliches herumschwimmt.


    Nein, vom Höhepunkt der Sauerei hab ich kein Foto.


    Zum Glück ist der Trichter am Fuß des Kolosses nicht verstopft. Hier werde ich den verbliebenen Inhalt der Box los. Man muss sich dort nur etwas tiefer runterbücken. Und die Kassettenspülung funktioniert ebenfalls. Box leer und sauber. Wenigstens dieser Teil des Plans hat funktioniert. Natürlich kann das Schlachtfeld nicht so bleiben. Jetzt wäre ein Hochdruckreiniger nützlich. Ich hab nur einen Gummieimer dabei. Zum Glück gibts da diesen Einlaufrost. Ein paar Eimer klares Spülwasser mit gezieltem Schwung schräg über den Gehweg geworfen, verdünnen die hässliche Pfütze und spülen sie in seine Richtung. Kleine Papierfetzchen bleiben trotzdem in den Ritzen und ihrem Bewuchs zurück. Hinweis genug für den Nächsten? Man sollte sich einen schwarzen Edding ins Entsorgungsfach legen, um zukünftig vor solchen Fallen zu warnen.



    Bei geöffneter Klappe kann man das Ende des geknickten Rohrs besichtigen. Es ist einfach ein Stück über dem Trichterboden in das obere Blech eingeschweißt, so dass der freie Durchlass durch die schräge Wand darunter behindert wird. Das Ganze riecht nach Fehlkonstruktion. Irgendwo innen muss auch die Mündung der Spüldüse in das Rohr hineinragen. Nein ich habe keine Lust nachzuforschen, ob sie ein Hindernis bildet. Dazu müsste man das Rohr erst mal ausräumen. Auf dem Foto im Schlagschatten kaum zu sehen, sind die Spitzen von grauen Zipfeln die unten heraushängen. Da steckt bestimmt was drin, was absolut nicht reingehört. Vielleicht was Textiles oder massenhaft reißfestes Klopapier?



    Im Genick spüre ich das hämische Grinsen aus den gegenüber aufgebockten Weißwänden. Die stehen hier schon länger und wussten bestimmt, was passieren wird. Kostenloses Unterhaltungsprogramm? Ob der Verursacher da jetzt selber hinter seiner Gardine kichert?


    Möge ihm die Kassette in der Hand explodieren!


    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Moin Poly,
    trotz eines gewissen Ekelfaktors ist Dein Bericht sehr, sehr witzig und vorallem lehrreich, vielen Dank!

    Ich werden, sollte es mir begegnen um ein solches Rohr künftig einen Borgen machen und gleich den Bodentrichter nutzen.

    Tausend Dank für die gesparte Selbsterfahrung, herrlich, von anderen zu lernen, vor allem, wenn es so humorvoll erfolgen kann ^^

    Danke, Danke, Danke!!


    LG

    Mariechen

  • Klasse. Einfach klasse. Danke. Ich hoffe, Du ahnst, dass dem Ein- oder Anderem bestenfalls ein Kichern entrückt, wenn nicht gar ein Wiehern. Obgleich sowas einem selbst passieren kann.


    Warum eigentlich sollte man die so gar köstlichen Berichte nicht mit dem Namen des Platzes garnieren? Schließlich beschreibst Du nur einen Ist-Zustand, Deine persönliche Wertung dürfte über die Meinungsfreiheit abgedeckt sein. Ich würde da, oberflächlich betrachtet, kein Problem sehen.

    Gruß Hardy

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    Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht, wie andere es gerne hätten!

  • Dankeschön für die netten Komplimente.

    Warum eigentlich sollte man die so gar köstlichen Berichte nicht mit dem Namen des Platzes garnieren?

    Weil es dann ein Anprangern der Betreiber wäre und das fände ich ungerecht. Der Betreiber ist zwar in der Verantwortung, aber meistens nicht der Verursacher von Missständen. Die Stadtverwaltung hat im letzten Beispiel viel Geld für die Anlage ausgegeben und das Rohr bestimmt nicht selbst verstopft.


    Wir sehen auch immer nur einen momentanen Ist-Zustand, der sich ganz schnell ändern kann. Eben noch alles super und perfekt, dann entsorgt eine egoistische Drecksau und der Nächste ist entsetzt über den vorgefundenen Zustand.


    Wer aus triftigen Gründen unbedingt den Namen eines beschriebenen Ortes wissen muss, kann gerne eine Konversation mit mir führen. So geheim sind die nun auch nicht. Aber hier in oder zwischen den Beiträgen werden die Orte bitte nicht genannt.


    Liebe Grüß vom Poly

  • Hafengeschichten


    Auf halbem Weg nach Spanien geht uns allmählich das Tageslicht aus. Bis zur Loire schaffen wir es heute nicht mehr, also muss ein Übernachtungsplatz her. Der Kasten rollt in eine winzige Stadt eine enge Ladenstraße herunter. Alles schon geschlossen. Bürgersteige hochgeklappt. Kein Mensch mehr weit und breit. Nach dem holprigen Bahnübergang (immerhin zweigleisig) geht es hinab zum Kanalhafen. Vor einem kleinen rostigen Museum - drei enge Parkbuchten. Links ist noch eine für Rollifahrer reserviert, rechts steht ein Buswartehäuschen. Wir fädeln uns in die Mittlere. Offizieller Stellplatz, bissl schief, aber wir werden nicht aus dem Bett fallen. Für eine Nacht völlig OK. Später erfahren wir, dass man sich auch unten auf die Wiese am Wasser zu den Schiffen stellen darf. Dort sind sogar zusätzliche Stromanschlüsse.


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    Als die Straßenbeleuchtung angeht, sammelt sich gegenüber eine Gruppe junger Leute mit Mopeds und Fahrrädern und beglückt uns mit ihrem Musikgeschmack. Schon erstaunlich, was so ein winziger Brüllwürfel für Krach machen kann. Ein anderer Kastenwagen stellt sich neben uns und lässt die Scheinwerfer eingeschaltet. Die Gang schnappt plötzlich ihre Zweiräder, schiebt sie geschwind hoch zur Hauptstraße und knattert bzw. strampelt davon. Zurück bleiben nur ein paar leere Getränkeschachteln. Das andere Womo fährt nach einiger Zeit doch weiter und den Rest der Nacht haben wir Ruhe.


    In älteren Rezensionen wurde der Platz wegen fehlender Müllbehälter kritisiert. Der Jugendclub hat scheinbar noch nicht mitbekommen, dass inzwischen riesige Container mit jeder Menge Stauraum aufgestellt wurden. Da hätte nicht nur ihr bisschen Abfall, sondern sie selbst komplett mit Musikbox und Fuhrpark reingepasst. Fein säuberlich geschieden nach recyclingfähigem und biologischem Material.


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    Getrennt wird natürlich auf französische Art. In die gelben Klappen kommt Papier, Kartons, dicke Plaste und Blechdosen, also Zeug aus dem man wieder was machen könnte. (Ob und wie man diesen Mischmasch aber später wieder auseinanderfusselt?)


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    In die schwarze Klappe schmeißt man Essensreste, volle Windeln und dünne Folien. Das Gemenge kann also nur für die Deponie oder zur Verbrennung bestimmt sein.


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    Hinterm Bushäuschen besitzt der Platz sogar eine V/E. Die knapp bemessene Betonplatte ist an drei Seiten ummauert. Man sollte präzise rangieren. Jemand hat bei ihrer Errichtung den frischen Beton mit einem borkigen Ast geglättet. Auch so entsteht Volkskunst. Auf älteren Bildern im Netz sieht man, dass der Bodeneinlauf anfangs mit einer Art Reling umgeben und damit kaum überfahrbar war. Diese Bügel sind verschwunden, was die Sache erheblich vereinfacht.


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    Seitlich steht eine kleine Euro-Relais-Säule. Passend zu den Freizeitschiffen aus dickem Bootsbau-Glasfiber. Unverrottbar aber leider nicht unkaputtbar. Vermutlich wurde sie noch nie sauber gemacht. An besonders nahrhaft beschmierten Stellen siedelten sich bereits Flechten an, wie an der Rinde alter Bäume. Positiv denken! Flechten sind ein Zeichen für reine Luft! Immerhin die Wasserhähne funktionieren und drei Campervereine spendeten sogar schon per Aufkleber ihren Segen.


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    Ob die beiden rückseitigen Steckdosen auch Strom liefern, haben wir mangels Notwendigkeit nicht getestet. Glaube schon, denn alle Drähte sind angeschlossen. Man kann sich das hier richtig gut anschauen, denn es ist Tag der offenen Tür. Für den Technikfreund ist der Blick in die Eingeweide so einer Säule natürlich interessant. Ich hoffe nur, dass die Anwohner gut auf ihre spielenden Kinder aufpassen. Wenigstens scheinen keine stromführenden Leitungen blank zu liegen. Geld gibts hier nicht zu holen. Wasser und Strom sind gratis. Aber ich möchte wetten, dass die Verteilerdose links ursprünglich einen Deckel hatte.


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    Manche Leute haben eine merkwürdige Art, sich für kostenlose Angebote zu bedanken. Vielleicht hat ein Campingfreund mit Kaffeemaschine und Hochleistungsfön die Sicherungen überlastet, ("So ein Mist. Wieso ist auf einmal der Strom weg?") um an den Schalter im Inneren ranzukommen und den Strom wieder einzuschalten, einfach die Tür gewaltsam aufgerissen, ("Ist doch nicht meine Tür.") und dabei ein großes Stück GFK aus dem Rand herausgebrochen. Sie lässt sich nun nicht mehr verschließen. Da sich die Säule etwas neigt, schwingt sie durch ihr Eigengewicht auf und steht den ganzen liebenlangen Tag sperrangelweit offen.


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    Will man den Fäkalschacht öffnen, ist die Tür natürlich im Weg. Tür zumachen und Kassettenklappe dagegen lehnen, funzt nicht. Da die Steckdosen einiges wiegen, etwickelt die Tür zu viel Schubkraft und wirft die leichte Klappe einfach wieder um. Es gibt einen Schnapper, durch den man Klappe und Tür zusammenklipsen könnte. Leider ist das Gegenstück am unteren Türrand ebenfalls zerbrochen. Reste verschiedener Klebstreifen zeugen von Reparaturversuchen und zeigen, dass dieser Zustand schon lange besteht. Ein Vorbenutzer hat einen Draht hinterlassen, den man am Türschloss einhaken kann. Hält leider nur bist zum nächsten Windstoß. Irgendein Campingfreund hat das Problem durch zusätzliche Zerstörung verschlimmbessert indem er beide Scharniere der Klappe abgebrochen hat. Man kann das Ding nun einfach herausheben und beiseite legen. Dann gähnen dem gestressten Kassetten-Mann aber gleich zwei offene Schächte entgegen und er muss eine Entscheidung treffen. Falls dabei noch der Blick vom Beaujolais getrübt ist ...


    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)

  • Farben und Formen


    Wir haben Frankreich in zwei Tagen diagonal durchquert und übernachten noch einmal am letzten Zipfel Biskaya vor der spanischen Grenze. Der senfgelbe Sandstrand ist grobkörnig und die auflaufenden Wellen sind völlig unberechenbar. Mal lecken sie nur sanft an den Füßen, dann haut dich die nächste Welle fast um. Draußen in der riesigen Bucht haben die Kreuzseen schon Schiffe durchgebrochen wie Streichhölzer. In der Nacht hören wir trotz dichter turmhoher Hecken die unregelmäßig andonnernde Brandung bis oben auf dem Stellplatz.


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    Am nächsten Morgen lassen wir uns ganz viel Zeit. Es ist nicht mehr weit bis zum Ziel der Reise im Baskenland. Natürlich wird auch diese Gelegenheit zum Entsorgen genutzt. Die Anlage hat eine merkwürdig bekannte Form. Das muss in früheren Zeiten eine flotte Mademoiselle gewesen sein, genauer gesagt eine "Flot Bleu". Nun ist sie alt. Ausgemustert wie ein Schaltpult aus einem stillgelegten Atomkraftwerk. Alle Schlitze und Ritze in die man früher Münzen oder Kreditkarten reinstecken konnte, sind zugeklebt und vernietet. Jemand hat sie grün angestrichen, aber an den Ecken schimmert die blaue Vergangenheit noch durch.


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    Die normalerweise innen verborgenen Wasserhähne sind durch den Bauch der alten Dame nach draußen gewachsen. Sie liegen bedenklich nahe beieinander. Damit sie nicht verwechselt werden, hat ein besorgter Mitmensch wenigstens den Spülhahn beschriftet.


    Er ist rostbraun korrodiert, der andere fürs Trinkwasser dagegen messingblank. Das sieht ja aus wie die Hände von Vigelands Sinnataggen in Oslo. Den fassen die asiatischen Touristen immer am linken Pfötchen um dann Beweis-Selfies zu machen. "Li Feng war hier!" Soll wohl außerdem Glück bringen. Seine Linke ist jedenfalls dadurch schon spiegelglatt poliert. Ob hier inzwischen ein ebenso seltsamer Kult entstanden ist?


    Könnte natürlich auch sein, dass vorsichtige Leute ihn vor Benutzung sicherheitshalber reinigen. Ab und zu ein Becher scharfes Desinfektionsmittel äzt ebenfalls schön blank.


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    Die seitliche Tür ist mit dicken Riegeln verschraubt. Nichts mehr zu machen. "La fábrica está cerrada." (Fabrik geschlossen.) Mexikanische Frauen verwenden diese Formel, wenn sie ihre Familienplanung ein für allemal beendet haben. OK, die große kantige Matrone lässt uns nicht mehr rein. Macht nichts. Gleich nebenan bietet eine kleine pummelige Schönheit vollwertigen Ersatz.


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    Hier hat ein wahrer Künstler ein einmaliges Meisterwerk geschaffen, das in seiner eindeutigen Formensprache keine Fragen offen lässt. Sanft gerundeter Rauhbeton mit fließend herablaufenden Umbrastreifen, edle Kacheln in strahlendem Weiß und eine krönende Natursteintafel mit verspielten Ringeltupfen harmonieren perfekt mit einer dicken nussbraunen Multiplexplatte, die in ihren ausladenden Wölbungen und harter Kantigkeit gleichzeitig anziehend auf Kassettenrüssel und abschreckend auf menschliche Hinterteile wirkt.


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    Unterstützt wird der beabsichtigte Effekt durch eine formenreiche Installation aus Messing, Chrom und Polypropylen. Sollte sich doch Einer draufsetzen, wirds gewaltig im Rücken drücken. Auch rostiges Eisen, das Modematerial der zeitgenössischen Bildhauerei, findet sich als sparsam gesetzte Kontrapunkte an markanten Stellen der Skulptur. Und erst das Ambiente drumherum. Algengrüne Kantsteine umkränzt von grob geflochtenen grauen Matten unter wucherndem Rhododentron flankiert von einer wundervoll gewellten Leitplanke. Hier wird jede Verrichtung zur Performance. Leute passt bloß gut auf, sonst landet das Ding im Kunsthandel.


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    ;-)

    J+J

    (PS: Exemplarisches Beispiel. Bitte keine offene Nennung von Stellplatznamen o. Ä.)